Casa Barbaro: Dolce Vita in Neustift
- 1. März 2025
- 3 Min. Lesezeit

Ein kleines Haus mit Garten zu finden – das war der Traum des Gastronomen Luigi Barbaro, der mit seiner Trattoria Martinelli schon ab den 1990er-Jahren italienisches Flair ins Palais Harrach gebracht hat. Nach Jahren der Miete im 19. Bezirk war 1997 ein Reihenhaus in Neustift gefunden und umgebaut worden – und die Familie glücklich. „Natur direkt vor der Haustür, Schulen in der Umgebung und gute Anbindung an die Stadt: perfekt“, erinnert sich Barbaro.
Nur ein Jahr später stand der benachbarte Baugrund zur Versteigerung. Barbaro nahm teil und erhielt prompt den Zuschlag. Auf dem Areal, wo seine Kinder Fußball spielten und Partys feierten, baute er zehn Jahre später das Haus, in dem er heute mit seiner Frau, Evelyn, wohnt. Begleitet wurde er von Architekt Manfred Wehdorn, der auch die Lokale der Barbaro Group entworfen hat.
Farbgrüße aus Napoli
Das dreigeschoßige Haus weist jeweils 60 m2 pro Etage auf. Im Erdgeschoß verschmelzen Wohnzimmer, Essbereich und Küche zu einem lichtdurchfluteten Raum. Eine imposante Glasfront – die war dem sonnenverwöhnten Neapolitaner wichtig – öffnet sich zu Terrasse und Garten, durch den ein sanfter Bach plätschert. „Hier komme ich physisch und seelisch wieder ins Gleichgewicht“, erzählt Barbaro vom wichtigen Ausgleich zum Beruf. Platz gibt es auch für gesellige Familienzusammenkünfte. Neben Wohnraum drinnen und draußen gibt es Wirtschaftsraum, Schlaf- und Badezimmer sowie ein Kinderzimmer für die Enkel Emilia und Matteo, die oft bei Nonno und Nonna zu Gast sind. „La famiglia“ ist eben wichtig, nicht nur, weil Evelyn und die Söhne Antonio und Luigi jun. auch im Familienunternehmen mitarbeiten.
„Der Nachhaltigkeit wegen und um Energie zu sparen, wurde das Haus aus Ziegeln gebaut. Im Sommer kühl, im Winter warm. Vor drei Jahren kam noch eine Wärmepumpe dazu“, erklärt der Hausherr. Napoli lässt dann bei der Farbwahl grüßen: Die Wände wurden teilweise in pompejanischem Rot, mediterranem Blau oder Sonnengelb gestrichen, was ihnen ein südliches und warmes Flair gibt.
Die Möbel präsentieren sich als Stilmix aus schlicht und modern, ein bisschen Wien, ein bisschen Italien. Die italienischen Antiquitäten stammen aus dem 19. Jahrhundert. Den Glaskasten, den Sekretär und die kleine Schmuckvitrine, die als Bar dient, konnte Barbaro am Anfang seiner Karriere einem italienischen Juwelier im Wiener Hochhaus in der Herrengasse abkaufen. Auch sonst herrscht Italo-Flair: Der Kaffee wird in der Bialetti serviert, in der gemütlichen Wohnküche wird mit den Enkelkindern Pizza gebacken.
Die Kunstwerke, die er im Lauf der Jahrzehnte gesammelt hat, sind teilweise Tauschgeschäfte. „In den Besitz meiner ersten Stücke kam ich, weil ein alter französischer Maler regelmäßig in meinen Restaurants verkehrte und im Tausch gegen seine Bilder verköstigt wurde.“ Seither sammelt er Kunstwerke von Franz Wibmer oder auch Christian Ludwig Attersee (in der Regina Margherita). Gottfried Helnweins berühmte „Mickey Mouse“ ziert die Wände der Trattoria Martinelli.
Geordnete Oase
Barbaros persönliches Refugium und bevorzugter Platz ist der Garten. Hier kümmert er sich gern selbst um seine Pflanzen, zupft Unkraut, baut mediterrane Kräuter, Lavendel und Blumen an und gießt diese im Sommer jeden Morgen mit großer Leidenschaft. Ein Ritual, erst danach kann der Arbeitstag wirklich beginnen. Der Hausherr hat das liebe Grünzeug – wie auch das Leben – gern unter Kontrolle. Alles braucht eben seine Ordnung und Disziplin. Wohnraum. Gastronom Luigi Barbaro hat sich in Neustift am Walde großfamilientauglich eingerichtet. Seine Kunst-Stücke mit Geschichte werden dennoch nicht versteckt.
Zum Ort, zur Person
Neustift am Walde wurde um 1330 vermutlich als Nachfolgesiedlung – „neue Stiftung“ – der aufgelassenen Ortschaft Chlainzing gegründet. Das ehemalige Dorf gehört heute zum 19. Wiener Bezirk. Häuser in (sehr) guter Lage kosten in Döbling im Median 7500 Euro/m2.
Luigi Barbaro ist in Neapel aufgewachsen und hat nach einigen Stationen in Wien seine Heimat gefunden. Seit 40 Jahren bringt er in seinen Lokalen Trattoria Martinelli und Regina Margherita neapolitanische Küche auf die Teller.
(c) Die Presse, 01.03.2025



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